Zunftausflug 2011

«Wenn Zimmerleute reisen, lacht der Himmel» wäre sicher eine treffliche Umschreibung des wunderschönen Ausflugs vom Samstag, 3. September 2011. Vielleicht hatte Petrus aber auch ein Einsehen, und revanchierte sich etwas für das verregnete Jugendfest - obwohl man ja Regen als Segen betrachten sollte – halt einfach nicht gerade dann, wenn es «zünftig» auf Reisen geht…

Wie auch immer: um 07:30 besammelten sich gegen 100 Zimmerleute auf der Schützenmatte in Bern, eine weiteres gutes Dutzend stiess am Bahnhof Brugg zur munteren Gruppe. Dank einem ausgezeichneten Service der beiden Carführer und der Carführerin von Horner-Reisen aus Tafers klappten die Verschiebungen absolut pünktlich und professionell. Am ersten Etappenort, dem Schloss Habsburg im gleichnamigen Ort in der Nähe von Brugg, konnte ein üppiger Brunch auf dem herrlichen Schlossvorplatz unter freiem Himmel genossen werden. Dabei bestand
die Möglichkeit, ungezwungen durch die historischen Gemäuer zu streifen, die Ausstellungen zu besuchen, oder einfach die hübsche Aussicht über das Aaretal, das Schinznacher Feld oder das Birrfeld zu geniessen. Nach einer kurzweiligen Weiterfahrt mit angeregten Gesprächen erreichte man rasch das nächste Etappenziel, die Schweizerische Nagelfabrik AG. Im einzigartigen Betrieb stehen historische, über 100-jährige Nagelmaschinen einträchtig neben heute noch täglich benutzten Anlagen, auf denen diverse Spezial- und Qualitätsnägel produziert werden, welche unter anderem in den «Landi»-Filialen erhältlich sind. Es war sichtlich faszinierend, vom Industriegeschichte-Pionier Hans-Peter Bärtschi, Hauptinitiator der Bewahrung der historischen «Nagli», in fesselnden Ausführungen durch die Schweizer Wirtschaftsgeschichte geführt zu werden. Daneben konnten diverse der alten, nach wie vor betriebsfähigen Maschinen unter anderem beim Produzieren von Zimmermannsnägeln beobachtet werden – begleitet durch ein akustisches Erlebnis der besonderen Art und dem typischen Geruch von Schmieröl, Fett und bearbeitetem Metall.

Die Weiterfahrt führte die Gesellschaft durch das Zürcher Oberland und alsbald an die Gestade des Zürichsees. An der Schiffländte Stäfa wartete bereits das Motorschiff MS «Wädenswil», auf welchem bei Getränken und Imbissen eine abwechslungsreiche Fahrt bis nach Zürich-Bürkliplatz zu erleben war. Ein kurzweiliger Bummel entlang und über die Limmat, mit schönen Ansichten der prächtig erhaltenen historischen Zürcher Altstadt, führte zum Zunfthaus zur Zimmerleuten Zürich. Das im Jahr 2007 von einem Grossbrand in katastrophalem Ausmass heimgesuchte
Gebäude, wobei bei den Brandlöscharbeiten ein Feuerwehrmann leider tödlich verunglückte, erstrahlt seit 2010 nach aufwändiger Rekonstruktion in neuem Glanz. Das Haus «Zum Roten Adler», so sein historischer Name, besitzt älteste Bauteile, die aus dem Jahr 1156 datieren. Seit rund 550 Jahren gehört das Gebäude der Zunft zur Zimmerleuten. Die 13 Zürcher Zünfte sowie die Gesellschaft zur Constaffel gehen übrigens auf die Brun’sche Zunftrevolution von 1336 zurück. Damals verbündete sich Ritter Rudolf Brun mit den Handwerkern und stürzte den damaligen Zürcher Rat. Nach einem Empfangsapéro wurde ein vorzügliches Dinner kredenzt, bereichert durch geistreiche, unterhaltsame Ansprachen von Vertretern der Zürcher Schwesterzunft.

Viel zu früh musste der Rückweg angetreten werden, und mit einer zügigen Retourfahrt endete in Bern ein unvergesslicher, vorzüglich organisierter Zunftausflug.

Markus Brunner, Zunftbriefredaktor