Zunftausflug 2007

Bekanntlich findet ja unser Zunftausflug nur alle drei Jahre statt, dann aber mit jeweils einem reichen und abwechslungsreichen Programm.

So war es auch am 1. September des vergangenen Jahres, als sich genau 111 Personen zu früher Stunde auf der Schützenmatte einfanden, um die drei Cars zu besteigen und um in allgemein östlicher Richtung aufzubrechen.

Das Wetter war zwar nicht strahlend, aber musste aus zwei Gründen dennoch als relativ gut bezeichnet werden. Erstens hat ja bekanntlich Luzern, wo der Ausflug endete, nicht gerade den Ruf, eine regenarme Stadt zu sein, und zweitens waren die wirklich schönen Sommertage im vergangenen Jahr etwa so selten wie ein Sechser im Lotto.

Wer am Ausflug in den Berner Jura teilgenommen hatte, erinnerte sich beim Betrachten des hellen Kircheninneren des ehemaligen Zisterzensierklosters St.Urban unweigerlich an die Klosterkirche von Bellelay. Das ist kein Zufall, denn in beiden Fällen hatte der Vorarlberger Baumeister des Barocks, Franz Behr, gewirkt. Ein wahres Fest der Sinne erlebten die Zimmerleute, als sie den Klängen der raffinierten Barock-Orgel lauschten, den Kirchenraum auf sich wirken liessen, das kunstvoll geschnitzte Chorgestühl betrachteten und schliesslich, im prächtigen und schön aufgedeckten Festsaal, dem Duft von Rösti, Speck und Hamme folgend, sich den Gaumengenüssen hingaben.

Nachdem ein angeblich verlorenes Jäckchen und ein paar Missverständnisse das Organisationskomitee kurz beübt hatten, setzten sich die Zimmerleute wohl gestärkt mit den Cars in Bewegung. Für ein Verdauungsschläfchen blieb allerdings nicht viel Zeit. Die Durchfahrt in Langenthal verlief reibungslos, so dass man rasch in Huttwil eintraf und dort noch Zeit hatte, die vor dem Zimmerleuten-Extrazug bereits unter Dampf stehende Schlepptenderlokomotive der Baureihe 64 der ehemaligen Deutschen Reichsbahn zu bewundern. Nicht ohne Wohlgefallen bestätigte der Lokomotivführer, dass Sibylle eine gäbige und gutmütige sei. Es handelte sich dabei allerdings nicht um seine Frau, sondern um besagte Lokomotive.

Die wenig bekannte Nebenstrecke von Huttwil nach Wolhusen ist ländlich und reizvoll, aber die durch Feuerbrand verwüsteten Obstgärten stimmten auch etwas traurig. Sibylle legte dessen ungeachtet eine flotte Fahrt hin, und auf die Minute pünktlich fuhr der Zimmerleuten-Extrazug in Wolhusen ein, wo unsere Cars wiederum bereit standen.

Nach einer Fahrt durch wenig bekannte Gegenden im Kanton Luzern erreichten die Ausflügler schliesslich Haltikon im Kanton Schwyz, wo die Besichtigung der Firma Schilliger AG, der zweitgrössten Sägerei der Schweiz, auf dem Programm stand. Allgemein zeigte man sich während der Führung durch drei der fünf die Unternehmung besitzenden und führenden Mitglieder der Familie Schilliger beeindruckt von diesem KMU, in dem pro Tag vorne 50 Lastenzüge Holz verschwinden und hinten als gestapeltes Schnittholz wieder rauskommen.

Wie das Holz zum Teil in der Unternehmung selber getrocknet, verleimt, gehobelt und zu Platten verarbeitet wird, interessierte ebenso wie der Umstand, dass die Absatzmärkte z.B. in Pakistan oder Bangladesh liegen und eine Helikopterunternehmung zur Firma gehört, die Super Pumas u.a. an das UNHCR im Sudan verchartert.

Während die oben erwähnten Programmpunkte eher in die Kategorie «hidden gems» gehören, ist der Vierwaldstättersee natürlich eine weltweit bekannte und viel besuchte Touristenattraktion. Allein dem Umstand, dass Zimmerleuten- Ausflüge jeweils weit über ein Jahr vor dem Ereignis geplant werden, war es zu verdanken, dass wir noch eines der begehrten Dampfschiffe ergattern konnten. In der Tat war am Abend des 1. September die ganze Flotte auf dem See.

Pünktlich in Küssnacht eingetroffen, erinnerte sich das Organisationskomitee zunächst an Schiller. Zwar musste das Schiff seinen Weg nicht gerade durch eine hohle Gasse finden, aber rein technisch bedingt führte kein anderer Weg nach Küssnacht als durch die Küssnachter Bucht. Doch diese lag still und friedlich lächelnd, fast zum Bade ladend (nicht Schiller), wiewohl ohne Dampfschiff «Uri» (auch nicht Schiller). Nervosität machte sich beim Organisationskomitee breit, statt auf die Tell’sche Armbrust stützte man sich auf Mobiltelefone, und die Tarnung durch den Holunderstrauch war entbehrlich, wollten wir das Schiff ja nicht torpedieren, sondern endlich besteigen. Erleichterung machte sich breit, als das Schiff spät kam, aber doch kam, sein weiter Weg mag sein Säumen entschuldigt haben (richtig, das ist nicht aus dem Tell, aber Schiller).

Das Warten lohnte sich, das Dampfschiff Uri, geschmückt mit der Zimmerleuten-Fahne, ist ein Schmuckstück. Im mit prachtvollen Holzverzierungen geschmückten Salon und auf dem Oberdeck dinierte man gediegen und widmete sich dem Gespräch, oder man promenierte über Deck, schaute der Dampfmaschine zu und genoss einfach den stimmungsvollen Abend. Fast wähnte man sich schon in Flüelen, wo die Postkutsche über den Gotthard Richtung Süden ins Land, wo die Zitronen blühen, hätte bereitstehen können, als sich das Schiff jählings beim Schillerstein (schon wieder der Schiller) auf die Seite legte, wendete und wieder Kurs nach Luzern nahm. Dass in jenem Moment die Almosnerin im Ruderhaus gesehen wurde, kann kein Zufall sein. Wahrlich fürsorglich wurde darauf geachtet, dass die Zimmerleute nicht ins Träumen gerieten, sondern rechtzeitig zurück in den Alltag gebracht wurden.

Alles hat ein Ende, und bloss die Wurst hat zwei, so stellte man philosophisch nach Verzehr der Bratwurst beim Anlegen in der Leuchtenstadt und beim Abschiednehmen fest.

A la prochaine!

Michael Stämpfli, Obmann